Da dieses Buch ja auch mehr oder weniger ein Jugendbuch ist, möchte ich auch jugendwichtige Themen bearbeiten. Und einer der größten Punkte, ist die Entdeckung der eigenen Sexualität. Blaze ist zu Beginn der Geschichte 17 und hat aufgrund seiner nicht diagnostizierten Depression das Theme Beziehungen und Sexualität sehr weit nach hinten geschoben.
Im Laufe der Geschichte wird es einen Moment geben, in dem sich Selma und er nähre kommen, auf eine nicht romantische Art und Weise. Sie lernen nur einfach, dem anderen zu vertrauen. Planmäßig ist das, wenn ihnen die Göttin des Lebens erzählt, dass sie Seelenverwandte sind. Sie fragen sich, was das genau ist.
Zwar hat gerade er das Wort schon oft in Popkultur-Referenzen gehört, doch bis auf romantische Verbindungen kann er eigentlich nichts damit anfangen.
So fragt er Selma also auch, ob die beiden füreinander geschaffen seien. Die lehnt das vehement ab. Sie steht auf Frauen. Und auch wenn er ein echt netter Kerl ist, sieht sie nicht, dass sie sich irgendwann in ihn verlieben könnte. Oder weiter gehen würde.
"Das bedeutet also, wenn wir Seelenverwandte sind, hat es nichts mit Liebe zu tun?", fragte Blaze langsam, den Blick irgendwo in den Horizont gerichtet.
"Naja... Vielleicht schon. Liebe bedeutet ja nicht gleich Sex. Und ich glaube dieses ganze Seelenverwandtschafts-Zeug ist da genauso." Selma indes sah ihn direkt an. Sie wusste, ganz instinktiv, dass er sich wieder viel zu viele Sorgen und Gedanken machte. Da waren wieder diese Zweifel, die ihn schon immer heimgesucht hatten. Zumindest solange sie ihn kannte. Sie stand abrupt auf und setzte sich direkt vor ihn auf die Wiese. Er kam gar nicht umhin, ihr ins Gesicht zu blicken.
"W..was?", stammelte er kurz, dann umarmte Selma ihn. Während er zuerst noch überrascht zurückschrecken wollte, hielt er kurz inne. Die Kraft, die sie in diese eine Umarmung lag, ohne irgendetwas zu sagen, die Bestimmtheit mit der sie ihn in ihren Armen hielt, beruhigten ihn fast sofort. Noch bevor er es realisierte, hatte auch er seine Arme um sie geschlungen.
Zum ersten Mal seit einer Ewigkeit fühlte er sich geborgen. Er fühlte sich sicher. Und da wusste er, was sie meinte. Und was die Göttin des Lebens meinte.
"He. Ich muss dich also nicht lieben, um dich zu lieben.", wisperte er leise.
"Hm hm.", brummte sie ihm ins Ohr, den Griff immer noch fest um ihn.
Am Ende konnte keiner von beiden sagen, wie lange sie so dort gesessen hatten. Waren es nur Momente? Minuten? Eine Stunde sogar? Es war aber auch vollkommen egal. Denn als sie sich beide voneinander lösten, sahen sie sich einfach nur an, immer noch gegenüber sitzend. Selma lächelte ihn an, bevor sie wieder etwas sagte.
"Du bist definitiv besser mit Worten und so. Deshalb kann ich es dir nur zeigen. Wir sind uns nahe. Ohne dass wir irgendwas körperliches wollen."
Blaze nickte langsam. "Ja. Da war kein Funke oder so. Ich fühle mich bei dir einfach nur sicher. Ich bin ich. Du bist du. Und, auch wenn das hier alles vorbei ist, werde ich immer mit dir verbunden sein."
Er lehnte sich zurück und schloss die Augen, den Wind um sich herum etwas genießend. Sie tat es ihm nach und schloss ebenfalls die Augen.
"Wann wusstest du, dass du auf Frauen stehst?", fragte Blaze geradeheraus.
"Ich weiß nicht.", gab Selma zurück. "Irgendwie wusste ich es immer. Aber bis ich es realisiert habe war ich bestimmt schon 15."
"Du sagst das so als wäre 15 ein stolzes Alter."
"Ich war stolz mit 15."
"Nein, ich meine, als wäre man mit 15 schon besonders alt."
"Hm."
"Woher weißt du, dass es so bleiben wird?"
"Weiß ich nicht."
"Und das macht dir keine Angst?"
"Nein. Ich bin dann immer noch ich. Ich bin nicht Zukunfts-Selma. Ich bin immer die Jetzt-Selma. Und die Jetzt-Selma ist ganz gut so wie sie ist."
"Hm. Weisheit hat wirklich nichts mit Alter zu tun."
"Manche Sachen weiß ich einfach besser als du."
Daraufhin schwieg Blaze einen Moment, ehe er sich wieder aufsetzte und zu ihr sah.
"Also, auch wenn ich mich jetzt selbst noch nicht genug kenne, um zu wissen wer ich bin, macht das nichts?" Seine Stimme wurde wieder etwas leiser, als er die Worte sprach.
"Wenn es dich stört, kannst du es ja ändern. Und wenn du es nicht ändern kannst, lass es dich nicht stören."
"Leichter gesagt als getan." Er stöhnte auf. "Was ist, wenn ich auf niemanden stehe? Weder auf Frau noch Mann noch alles dazwischen?"
"Würde es dich stören?"
"Nein. Ich glaube nicht."
"Dann ist doch alles gut." Sie öffnete ihre Augen wieder und sah zu ihm. "Wenn du in keine der Schubladen der Welt reinpasst, dann hast du, mein Lieber, zwei Möglichkeiten. Entweder du zwingst dich in eine rein, oder du machst deine eigene."