Drissenya, die Allsehende Viper, ist die Göttin der
Geheimnisse und der Versuchung. Ihren zahlreichen wachsamen Augen entgeht
nichts. Sie weiß über alle versteckten Machenschaften, geheimen Treffen,
vergessene Schriften, vertuschten Geschehnisse und verbrannte Verträge Bescheid.
Sie ist die Hüterin alles verbotenen oder vergessenen Wissens und sämtlicher
Geheimnisse, seien sie noch so finster oder tief gehütet. Genau das nützt sie
so gern dazu, Sterbliche in die Versuchung zu führen und sie mit dem
Versprechen ihnen zu verraten, was sie wissen möchten, zu bösen Taten zu
treiben.
Mögen ihre preisgegebenen Geheimnisse oder Auszüge vergessenen Wissens
auf den ersten Blick verlockend wirken, haben die meisten einen versteckten Haken
oder unvorhergesehene Auswirkungen, die bei Abschluss der Abmachung, nicht klar
waren. Sie ist das lästerliche Flüstern in den Ohren frommer Gläubiger, die sie
zu Sünden und Verbrechen anstachelt. Die Allsehende Viper ergötzt sich daran,
falls Sterbliche ihre eigenen moralischen Grundsätze und Prinzipien für etwas
Wissen opfern und sich ihren Lüsten und der Versuchung hingeben. Die
Geheimnisse der Welt seien greifbar nah, man brauche nur mehr die Hand danach
austrecken.
Als hinterlistige Versucherin und Verderberin guter Seelen,
steht sie in keinem guten Licht der anderen Götter. Oft genug hat sie Anhänger
der Obersten, aber auch der Verrätergötter, mit ihren Versuchungen zu einem
frühzeitigen Ende geführt und deren Pläne durch ihre Versuchungen durchkreuzt. Besonders Thalor verabscheut sie. Sie ist die Antithese zum offenen und freien
Zugang zu Wissen, den der Ewige Sucher darstellt. Sie hortet ihr Wissen in Form
von Geheimnissen und teilt es nur mit wenigen Auserwählten, oft für einen hohen
Preis, der ihre eigenen Interessen vorantreibt. Verxes, der Kriechende Schatten, Gott des Unterreichs und der Gifte, sehnt sich
nach einer Probe des Giftes aus den Giftzähnen der Allsehenden Viper. Man sagt,
es sei das tödlichste Gift das im Universum existiert. Es sei so stark, dass größere
Dosierungen selbst den stärksten Göttern gefährlich werden könnten. Ein Tropfen
ihres Giftes in einem Brunnen oder Fluss verdünnt, reiche aus um eine ganze
Stadt voller tausender Bewohner zu vergiften und einen qualvollen Tod sterben
zu lassen. Der Kriechende Schatten bräuchte nur eine Probe, um es zu
untersuchen, zu kopieren und daraus zahlreiche neue Gifte für seine eigenen
Vorhaben zu brauen, doch Drissenya würde ihm nie ihr Gift geben, höchstens
direkt in seine Adern.
In alten Überlieferungen und Wandermalereien wird sie stehts
als bleiche, weiße, gewaltige Giftschlange, mit violetter Musterung dargestellt.
Ihr Kopf weist drei Augenpaare, mit drei violett-glühenden Augen auf jeder
Seite ihres Schädels, auf, die stehts wachsam alles beobachten und auch ihr
restlicher gewundener Körper beherbergt weitere eigene Augen sowie ein großes
Auge auf der Oberseite ihre Schädels, die sie verschwinden und auftauchen
lassen kann, wie sie es braucht. Ihr Symbol ist eine gewundene Schlange.
Die meisten Anhänger der Allsehenden Viper verschreiben sich
ihr aus eigenen Stücken. Sie verzehren sich nach den Geheimnissen von Drissenya
und sind bereit dafür alles zu opfern. Solch unterwürfigen Dienern gewährt sie
oft großzügige Geschenke und behandelt sie gut. Viele andere ihrer Anhänger
sind jedoch aufgrund verkarteter Abmachungen und einem tiefgreifenden,
komplizierten und verworrenen Schuldverhältnis ihr zu Dienst verpflichtet. Sie
konnten den Versuchungen der Geheimnisse nicht widerstehen und ließen sich auf
einen Handel ein, dessen Bedingungen sie nicht vollständig kannten oder sie zu
dem Zeitpunkt nicht interessierten, und wurden von der Allsehenden Viper
betrogen. Es kann durchaus vorkommen, dass sie die Sterblichen durch ihre
Versuchungen und erfüllten Lüste in schreckliche Situationen manövriert, um sie
zu einer lebenslangen Knechtschaft zu erpressen. Danach dienen sie der
Allsehenden Viper, mit der Hoffnung, dort wieder rausgeholt zu werden, sobald Drissenya
ihrer Ansicht nach mit den Sterblichen fertig sei.
Im Gegensatz zu Asmodeus und den Verträgen seiner Teufel,
zwingt niemand Drissenya zu Ehrlichkeit. Sie betrügt und zieht andauernd
Sterbliche mit ihren Versuchungen über den Tisch, denn es bereitet ihr Freude. Gerne
verdreht sie Formulierungen ihrer Abmachung und die Sterblichen sind meistens
machtlos gegen ihre Spielchen. Zwar kommt es vor, dass sie sich ans Abgemachte
hält und beide Parteien ein gewinnbringendes, ausgeglichenes und faires
Ergebnis erzielen, das stellt jedoch die Ausnahme dar. Selten gehen Sterbliche
als Gewinner aus den Machenschaften mit der Allsehenden Viper hervor.
Besonders Wissenssucher wie Magier, Gelehrte, Archäologen
und Scholaren lassen sich von den Versuchungen und Verlockungen der Allsehenden
Viper hinreißen. Meistens beten Sterbliche aus eigenem Antrieb, durch verbotene
alte Rituale, zu ihr und bitten um Wissen, welches Drissenya ihnen nur zu gerne
zu einem hohen Preis anbietet. Jedoch kommt es auch nicht selten vor, dass sich
die Allsehnende Viper selbst interessante Individuen aussucht und ihnen
Versuchungen ins Ohr flüstert. Das können mächtige Krieger sein, die sie in
ihrem Dienst haben möchte, aber auch schlichtweg unschuldige, fromme
Sterbliche, die sie mit ihren Geheimnissen zur Sünde und zum Verbrechen
verführen will.
Die Kleriker, Anhänger und Kulte der Allsehenden Viper sind
von Natur aus extrem geheim und verschwiegen. Sie sammeln und häufen Wissen und
Geheimnisse an, durch alle Mittel die notwendig sind. Sie sind Spione, Erpresser
und Verführer, die ihr Wissen nutzen, um Macht über andere auszuüben. Sie
arbeiten daran Nationen zu korrumpieren und zu destabilisieren, indem sie die
Geheimnisse ihrer Herrscher, ihrer Berater oder des Landes selbst gegen sie
verwenden.
Die Gebote der Allsehenden Viper
- Sei stets aufmerksam und sammle Geheimnisse und
heikle Informationen über alles und jeden, mit allen Mitteln die dir zur
Verfügung stehen.
- Teilt jemand persönliche Informationen oder
geheimes Wissen mit dir, nutze es aus und verwende es gegen ihn.
- Unterbreite anderen die Versuchungen der
Allsehenden Viper, denn all das Wissen der Welt ist nur einen Handgriff
entfernt.
Word count: 817