1. Notes

Schöpfungsmythos von Volothar

Viele Mythen und Geschichten ranken sich um die Entstehung der Welt, und genauso viele glauben zu wissen was sich zugetragen hat. Fast jede Zivilisation hat ihre Version der Schöpfungsgeschichte und der Ereignisse vor dem Erschaffen der Ewigen Barriere. Obwohl die Details sich oft unterscheiden, können sich die meisten Gelehrten und Geistlichen auf ein paar Dinge einigen die überliefert oder ihnen selbst von den Göttern so zugetragen wurden. 

 

Vor der Ankunft der Götter

Seit dem Entstehen des Multiversums war die Materielle Ebene ein feindseliger, gefährlicher Ort der ungezügelten elementaren Kräfte gewesen. Die Elemente trafen hier entfesselt und in purer Form aufeinander und veränderten das Antlitz der Welt täglich. Diese instabile Welt war die Heimat urzeitlicher, elementarer Titanen, dem Riesenvolk und anderen vorzeitlichen Kreaturen, wie die geheimnisvollen Aboleth, die die Tiefen des Urmeeres ihre Heimat nannten. Das was viele Jahrtausende später Volothar werden würde, war zu diesem Zeitpunkt ein rauer, ungeformter und lebensfeindlicher Ort, in dem nur die widerstandsfähigsten Kreaturen überleben konnten. Als die Götter im Multiversum ankamen, sahen sie die Materielle Ebene und die Wesen die dort lebten, und erkannten das Potenzial in dieser neuen Welt. Dort konnten sie etwas anderes schaffen, etwas Dauerhaftes und Beständiges, geformt nach ihrem Bild und Plan. 

 

Das Erste Zeitalter

So brach das Erste Zeitalter, das Zeitalter der Dämmerung, an. Doch die Elementaren Titanen gaben ihre Welt nicht kampflos auf. Mit ihrer gebündelten Kraft bekämpften die Götter die Titanen und erschlugen sie oder verbannten sie von der Materiellen Ebene. Durch die Verbannung der Elementaren Titanen in vier unterschiedliche, angrenzende Existenzebenen, entstanden die Ebenen des Elementaren Chaos – die Elementaren Ebenen. Durch den Sieg über die Titanen errungen die Götter die Herrschaft über die Materielle Ebene. Danach halfen die Götter zusammen und formten die Welt um sie für die Ankunft ihrer ersten, eigenen Kinder vorzubereiten. Sie alle wählten Domänen ihrer Macht und ihrer Zuständigkeit, Werte die für ihre Kinder wichtig seien würden oder Eigenschaften die sie innehaben sollten.

Lerodin und Verxes formten die Landmassen – einen Superkontinent, den sie Volothar nannten – während Selysia den gewaltigen Ozean und Volothar mit Leben füllte. Eonos hüllte alles in Licht um das Leben aufrecht zu erhalten. Kortoss, Gott der Nacht und der Leidenschaft, zügelte sein gleißendes Bestreben und sorgte dafür, dass ihre Kinder auch genauso viel Zeit für die Rast hatten und nicht von grellem Licht gestört wurden. Noctor sorgte dafür, dass die Zeit der Kinder nicht ewig andauern würde und sie eines Tages die Welt verlassen mussten und sie sich ihnen in ihren Heimatebenen anschließen durften. Er wurde zum ersten Gott des Todes. Anatem, der Letzte Fürst, würde nach deren Tod in seiner Stadt des Urteils über ihr Schicksal entscheiden. Die anderen Götter wählten ebenfalls ihre gewünschten Domänen. Als die Vorbereitungen getroffen waren, betraten die Erstgeborenen die kosmische Bühne: die Elfen. Entzückt von ihren Kindern und wie sie gediehen, in der von ihnen erschaffenen Welt, entschieden die Götter die Materielle Ebene mit weiteren Völkern zu besiedeln. So kamen die Zwerge als Zweite, gefolgt von den Menschen. Unzählige weitere Völker, Wesen und Kreaturen sollten folgen, sehr zu Freude ihrer Schöpfer. Doch die gezähmte Welt war nicht so ungefährlich wie gedacht – die urzeitlichen Kreaturen waren immer noch gefährlich und das Riesenvolk und das Aboleth-Reich gaben nur ungern ihre Vormachtstellung in der Welt auf. Bald kam es zu Konflikten und das Gedeihen der Schöpfung war gefährdet. Um ihre Kinder bei der Erschließung ihrer neuen Welt zu helfen und sie dabei zu schützen, schufen die Götter die ersten Drachen. Von nun an fungierten die metallischen Drachen unter Bahamut und die chromatischen Drachen unter Tiamat als die Beschützer der Schöpfung.

Mit ihren neuen Beschützern an der Seite, eiferten die Kinder ihren Schöpfern nach, zähmten das Land und gründeten die Erste Stadt und Wiege der Zivilisation: Agios Sanctor. Von dort aus Begann sich Zivilisation über die Welt auszubreiten und es wurden weitere Königreiche gegründet, Städte gebaut sowie neue Werkzeuge und Gerätschaften erforscht und erfunden. Um sie dabei zu unterstützen, gaben die Götter manchen ausgesuchten Persönlichkeiten unter ihren Anhängern einen kleinen Teil ihrer Kräfte: Göttliche Magie. Mit dieser Hilfe schritt die Entwicklung ihrer Schöpfung noch weiter und glorreicher voran und bald der Großteil des Urkontinents Volothar gezähmt und besiedelt. Zu Ehren ihrer Schöpfer und Helfer erbauten die Sterblichen große Tempel und beteten sie für ihre zugehörige Domäne an. Brauchte man beispielsweise eine erfolgreiche Ernte, betete man zu Eonos oder wünschte man sich eine angenehme Seereise betete man zu Vorthur.

Die Schöpfung übertraf die kühnsten Vorstellungen der Götter, doch einer von ihnen war nicht zufrieden. Kortoss, Gott der Nacht und der Leidenschaft war am Boden zerstört als entschieden wurde, dass der Schöpfungsakt und die Formung der Welt nun abgeschlossen seien. Jetzt war die Zeit ihrer Kinder gekommen. Nun war es an ihnen, die Welt zu formen, und nicht mehr die Zeit der Götter. Die Götter würden sich in ihre Heimatebenen zurückziehen und jederzeit ihre Kinder in Agios Sanctor besuchen kommen. Aktive Führung, sollte passiver Bewunderung und Beratung weichen. Kortoss liebte ihre Kinder genauso sehr wie seine Brüder und Schwestern, doch, vielleicht mehr als die anderen, empfand er große Freude am Erschaffen der Welt und ihrer Bewohner. Kortoss verstand nicht, wieso die Schöpfung nun vollendet sei. Es gab noch so viel Platz. Neue Kontinente könnten entstehen, neue Völker und Tiere kreiert werden, jedes fantastischer als das zuvor. Ein passives Leben des Beobachtens, alleine in seiner Heimatebene, schien ihn mehr eine Bestrafung, als ein wohlverdienter Ruhestand. Er trug seine Bedenken an seine Geschwister heran, stieß jedoch auf taube Ohren und sie wiesen seine Bitten, ihr gemeinsames Schöpfungswerk fortzusetzen, einstimmig und bestimmt ab. In dieser Zeit, als er an den Entscheidungen seiner Brüder und Schwestern zu zweifeln begann, erhielt Kortoss eine Botschaft. Sie stammte von uralten, beinahe vergessenen Kreaturen aus den Tiefen des Urmeers: von den Aboleth. 

Die Aboleth regierten vor der Ankunft der Götter das Urmeer und führten ein großes Reich mit unzähligen Sklaven. Nun waren sie ein unbedeutendes Überbleibsel ihres einstigen Reiches in den Tiefen des Urmeeres. Sie waren vor Äonen von ihren Meistern auf die Materielle Ebene geschickt worden, um diese Welt auf deren Ankunft vorzubereiten. Die Meister der Aboleth stammten von einem Ort jenseits der Materiellen Ebene, der Domänen der Götter, sogar jenseits des Multiversums selbst - ein Ort der die Vorstellungskraft und den Verstand der Sterblichen sprengt. Ein Ort an dem unbegreifliche, unglaublich mächtige, gottgleiche Kreaturen leben, deren Verstand so groß, so anders ist, dass ihre Motive nicht nachvollziehbar sind. Deren wahrer Name ist unbekannt. Ihnen wurden über die Jahrtausende mehrere Namen unter denen man sie oder Wesen ihres Alters, Natur oder Bedeutung kennt. Generell nennt man Bosheiten aus lang vergessener Zeit, wie sie, und jene, die das eigene Verständnis und den Gedankenhorizont überschreiten, oft "Ältere Übel". Die Kreaturen, die damals die Aboleths sandten, werden von manchen Gelehrten die "Fernen Götter" genannt. Aus Gründen der sehr eingeschränkten Fähigkeit der Sterblichen, die wahre Beschaffenheit dieser Wesenheiten zu begreifen und da die beiden zuvor genannten Begriffe dem Wesen der Entitäten nicht gerecht werden, wird in diesem Text die Bezeichnung „Ferne Götter“ verwendet, auch wenn jene Entitäten, die damals mit der Materiellen Ebene in Kontakt traten, wohl nur ein Teil von ihnen und nicht alle sind. Diese „Fernen Götter“ stammen aus einer Welt jenseits des Bekannten, von einem sich jeglicher Geometrie widersetzendem, fremden, von unserem Verstand nicht begreifbarem Ort. Es wird es das "Ferne Reich" genannt.

Die Aboleth sandten ihre Sklaven aus, sich im Namen ihrer Meister aus dem Fernen Reich mit Kortoss auszutauschen. Anfänglich war Kortoss misstrauisch, doch als die Abgesandten der Aboleth ihm von dem Wissen und Kräften ihrer Meister erzählten, und dass sie einander helfen konnten, wurde er neugierig. Er willigte ein, sich mit den Aboleth zu treffen. Die Aboleth versammelten sich in einem antikem, fremdartigen Tempel im tiefsten Punkt des Meeres und Kortoss fand sich bei ihnen ein, um sie anzuhören. Sie teilten ihr äonenaltes, fremdes und schauerliches Wissen mit ihm. Erzählten Kortoss von ihren mächtigen Göttern, teilten ihre verdrehten, beinahe wahnsinnigen Ideen. Sie zeigten ihm Visionen, Bilder davon was er mit ihrer Hilfe und er Macht ihrer Meister erschaffen könnte. Die Aboleth flüsterten ihm verlockende Dinge zu: Sollte er einwilligen ein Bündnis mit ihren Fernen Göttern einzugehen, waren deren Wissen und Macht sein. Mit ihnen könnte er seinen ganz eigenes Schöpfungswerk vollbringen. Er könnte ein paradiesgleichen, unendlichen Ort mit unendlich viel Platz für neue Kreationen zu erschaffen, ganz ohne auf die anderen Götter, ihre Hilfe oder Beiträge angewiesen zu sein. Eine unendliche Reihe neuer Geschöpfe, nur durch seinen Willen geschaffen, war für ihn zum Greifen nahe, sollte er einwilligen. Alles was er dafür tun müsse, wäre ein Geschenk von den Aboleth anzunehmen: ein altes, zeitloses Artefakt – das Auge von Zogroth. Das Auge von Zogroth wurde vor Äonen den Aboleth von den Fernen Göttern zur Verwahrung gegeben. Sie sollten für sie einen passenden Träger finden, der mächtig genug war es zu verwenden und sein volles Potenzial auszuschöpfen. Kortoss sei dieser auserwählte Träger und das Artefakt würde ihm die Macht und das Wissen verleihen, die er benötigte um einen solchen Ort zu erschaffen, so wie sie es ihm beschrieben hatten. Hochmütig im Glauben die Fernen Götter und seine Aboleth-Diener vernichten zu können, falls sie ihn betrügen sollten, und getrieben von dem Verlangen alleiniger Herrscher seiner eigenen Realität und Schöpfung zu sein, willigte der törichte Gott Kortoss ein, schloss ein Bündnis mit den Aboleth und ihren Meistern und nahm das Geschenk an.

Die Aboleth übergaben ihm das Artefakt. Zur Überraschung von Kortoss, wies das Auge von Zogroth eine Form auf, die allen bekannten geometrischen Formen  zu widersprechen schien. Wenn man in die tief schwarze glasige Mitte blickte, schien es so fremd und unergründlich, wie das Reich aus dem es stammte. Als AKortoss Blick in das Auge wanderte, er sich dem Artefakt hingab und dessen Kraft freisetzte, ging der Plan der Aboleth und ihrer Meister auf. Die im Artefakt gespeicherte, verzerrte und korrumpierende, Macht des Fernen Reiches und das schauerliche, unbegreifliche Wissen von Äonen und unzähligen Erdzeitaltern drang auf Kortoss ein. Es bombardierte ihn regelrecht und schien ihn zu überwältigen. Die verdorbenen Kräfte und das Wissen, das ihn übermannte, waren einfach zu unbegreiflich, unverständlich und ganz und gar schrecklich – selbst für den Verstand und Körper eines Gottes. Das Wissen und die Macht, die in ihn strömte, wurde immer mehr und hörte nicht auf. Mehr und Mehr. Immer mehr. Mehr und noch mehr. Immer mehr füllte das Artefakt seinen göttlichen Verstand und Körper mit den schrecklichen Energien des Fernen Reiches. Kortoss wurde von unglaublichen Schmerzen erfüllt, als das Artefakt ihn übermannte und ihn zu verderben und korrumpieren begann. Gewaltige Magie wurde freigesetzt, als der Gott verdorben, verformt und schließlich vernichtet wurde. Kortoss eigentlich unzerstörbare Form barst unter den Kräften die auf ihn einwirkten. Die Magische Energie, die bei seinem Tod freigesetzt wurde, entlud sich und vom Zentrum des Auges von Zogroth aus, feuerte es einen gewaltigen Strahl purer magischer Energie in den Horizont, der das Gewebe der Realität und die Grenzen des Multiversums zerriss. Ein gewaltiges Portal ins Ferne Reich, am Himmel über Volothar, riss den Horizont entzwei. Nun konnte die Invasion und Assimilierung dieser Welt endlich beginnen – ein Plan der vor Äonen mit der Aussendung der Aboleth in diese Welt begonnen hatte und nun endlich abgeschlossen war.

Die Fernen Diener sandten ihre Diener aus um dieses Universum in ihrem Namen zu erobern. Aus dem Riss strömten Unmengen an scheußlichen Kreaturen. Die fremden Energien, die sie mit ihnen in die Materielle Ebene brachten, verzerrten und verdarben diese Welt und auch dessen Tiere, die sich verformten und so selbst zu Scheusalen wurden. So erblickte die Materielle Ebene zum ersten Mal seit Jahrtausenden neue Aberrationen – Wesen berührt und verändert durch das Ferne Reich, oder direkt daraus stammend, heute nur mehr ein Überbleibsel aus der alten Zeit.

In den ersten Wochen der Invasion konnten die Sterblichen den Aberrationen nichts entgegensetzen. Sie waren nicht geschult im Kampf und Strategie. Jene die sich ihnen entgegen stellten, taten dies ohne Plan und Organisation. Erst als die Götter und ihre himmlischen Legionen in den Kampf eingriffen, konnte man den Ansturm verlangsamen, jedoch nicht gänzlich aufhalten.

Womit die Fernen Götter nicht gerechnet hatten war, dass Kortoss bei der Verwendung des Auges nicht gänzlich vernichtet wurde. Das Auge hatte seinen Geist und Körper zwar zerschmettert und zerborsten – jedoch hatte es auch seine Überreste wieder aufgebaut – so verzerrt und fremd wie es die Erschaffer des Auges von Zogroth waren. Von diesem Moment an wurde der wiedergeborene Gott nicht mehr Kortoss genannt, sondern Azaloth, der Abgrundwandler, die Verkörperung von Dunkelheit und des Wahnsinns - zerstört, versklavt und in den Wahnsinn getrieben durch die Kräfte des Fernen Reiches und deren mysteriösen Göttern. Bei der Freisetzung der Macht wurde seine alte Gestalt vernichtet und aus den Überresten seines alten Körpers ergoss sich endlose Dunkelheit – seine neue amorphe Gestalt: eine schwarze, wolkenartige Masse der Vernichtung, mit unzähligen, hungernden Mäulern. Das neue Wesen war nicht mehr der Gott der Nacht. Sein Geist und seine alte Persönlichkeit waren fort – zerstört durch das Auge. Das Auge von Zogroth war immer noch bei ihm und band und versklavte seinen neuen zerstörten Geist an seine Meister aus dem Fernen Reich. Er war nun den Wesen aus dem Fernen Reich gar nicht mehr so unähnlich und wurde nun vor allem anderen von einem großen Hunger und einem Verlangen nach mehr getrieben.

Manche Überlieferung sagen, dass Azaloth den letzten Überbleibseln seines alten Selbst folgte, und, endlich mit der gewünschten Kraft ausgestattet, er instinktiv seinen alten Wunsch umsetzte. Andere Quellen berichten davon, dass das Ereignis der Verzerrung und der Vernichtung eines Gottes kosmische Folgen nach sich zog und dieses schicksalshafte Ereignis auslöste. Egal wer recht behält, erneut wurde die gesamte Kraft des Auges entfesselte und eine neue Ebene der Existenz wurde geboren. Ein endloser Abgrund brach hervor, der sich in die schier grenzenlose Finsternis hinabwindete: Der Abyss. Ironischerweise war Azaloths ursprünglicher Wunsch aufgegangen: Ein unendliches Reich, bestehend aus endlosen Schichten, bevölkert von unzähligen Wesen und gefüllt mit zahllosen Orten war erschaffen worden. Jedoch war die neue Welt nicht wunderschön und perfekt, wie in Azaloths Vision, sondern stattdessen war sie die Verkörperung und Manifestation von allem Perversen, Grauenhaften und Bösen, wahrlich ein Abbild des korrumpierten, wahnsinnigen Selbst, das Azaloth nun darstellte. Dessen Bewohner waren nicht gütige und friedvolle Geschöpfe, sondern Dämonen, die fleischgewordene Zerstörung und Bosheit, Werkzeuge der Vernichtung in monströser Gestalt, ohne Empathie, Mitgefühl und Gnade, nur geschaffen um zu zerstören. Azaloth, nun von Wahnsinn befallen und von einem unersättlichen Hunger nach immer mehr und dem Willen seiner neuen Gebieter getrieben, startete er einen Verwüstungsfeldzug auf der Materiellen Ebene, um alles zu verschlingen und seinen Hunger zu stillen. Seine unendlich scheinende Finsternis verschlang ganze Städte und Armeen im Alleingang, verdarb die Erde und hüllte sie in Dunkelheit wohin er sich auch ausbreitete. Aus ihm und den Kräften des Fernen Reich, die in ihm innewohnten, strömt neue, grässliche Aberrationen, die er sich in seinem Wahnsinn in die Existenz träumte. Die neu erschaffenen Dämonen sahen Azaloth als ihren Schöpfer an - auch wenn sich dieser nicht um die Dämonenbrut scherte. Die Dämonen folgten dem Beispiel ihres "Vaters" und strömten in Scharen aus dem Abyss, um ihrem „Schöpfer“ dabei zu helfen, die Materielle Ebene in Schutt und Asche zu legen. Durch Portale und natürliche Wege wie den Ebenen-überschreitenden Fluss Styx, überzogen sie die Äußeren Existenzebenen mit Krieg und drohten bald auch die Materielle Ebene zu erreichen, sollten sie nicht aufgehalten werden.

Asmodeus, Gott der Freiheit, war der erste der auf die neue Bedrohung reagierte. Er zog seine himmlischen Armeen von dem Kampf gegen die Aberration ab und stellte sich den Dämonenhorden entgegen. Er und seine Armee aus Engeln und sonstigen himmlischen Wesen drängte die Dämonen unter größter Anstrengung in den Abgrund zurück, nun aber in einen andauernden Kampf verwickelt um die Dämonen zurückzuhalten.

Die Götter und ihre Kinder waren nun in einen Zwei-Fronten-Krieg zwischen Aberrationen auf der Materiellen Ebene und Dämonen im Abyss verwickelt. Unter Aussetzung des Abyss und dem langen Kampf gegen die Dämonen wiesen die Armeen von Asmodeus bald Anzeichen von Korruption auf. Die Wesen seiner Engel veränderte sich. Einst ehrenvolle und edle Kämpfer des Lichtes wurden grausam und niederträchtig. Je länger der Kampf gegen die Dämonenhorden dauerte, desto mehr und mehr fing auch Asmodeus selbst an, an seinen Grundprinzipien zu zweifeln. Er sah das Chaos und die Zerstörung des Krieges täglich. Ihre Kinder wurden hilflos abgeschlachtet, während die Götter mit ihren Armeen alleine versuchten einen zunehmend hoffnungslosen Krieg zu führen. Er erkannte, dass es anstatt Freiheit klare Hierarchien, strenge Regeln und strikte Führung benötigte, um gegen diese Bosheit zu siegen. Nur unter klarer Leitung und Befehlsgewalt konnte man sie bezwingen, doch schien dies nur ihm klar zu sein. Als er die anderen Göttern von seiner Idee, von einer geordneten, vereinten Armee und der Rekrutierung der Sterblichen in ausgebildeten Armeen und Einheiten, erzählte, wiesen sie ihm ab. Sie sagten ihm, dass sie ihre Kinder nicht in diesem Krieg opfern würden und dass sein Vorschlag gegen ihre Werte und seine eigene Natur verstieß. Dies sollte zu einer Kluft zwischen Asmodeus und den Götter führen, die nun anfingen ihn zu misstrauen und sich immer weiter von Asmodeus abzuwenden.

Ohne ein vereinte Armee der Götter und ohne einer Miliz der Sterblichen, folgte eine Zeit des Untergangs und des Todes. Unzählige Sterbliche fanden auf den Schlachtfeldern der alten Welt ihren Tod. Städte wurden niedergerissen, Tempel geschändet und niedergebrannt. Die Zahl der Toten stieg ins Unermessliche und auch manche der anderen Götter begannen zu zweifeln ob ein Sieg gegenüber den Invasoren überhaupt möglich war.

Asmodeus war immer noch verzweifelt beschäftigt, die Dämonenhorden im Abyss zu halten, um zu verhindern, dass sie auf die Materielle Ebene strömten und sich dem Gezücht der Invasoren anschlossen. Er war inzwischen überzeugt, dass der Weg seiner Geschwister nicht mehr der richtige war. Die Götter und er, ihr alter Weg, waren schuld an der drohenden Vernichtung der Schöpfung. Sie alle hatten Kortoss‘ Taten und die Erschaffung des Abyss zu verantworten, da sie Kortoss‘ Ängste und seinen Zustand nicht bemerkt hatten. Ihre Vernachlässigung von Azaloth, drängte ihn dazu, das Angebot der Aboleth anzunehmen - so wie sie nun auch ihn vernachlässigten. Wäre das schon nicht genug, schienen sie ihm nun zu Misstrauen, vielleicht sogar zu hassen, für die Narben, die er und seine Anhänger beim Kampf gegen die Dämonen davongetragen hatten. Als die Götter Asmodeus schließlich baten Teile seiner Truppen vom Abyss abzuziehen, um Hygoria, eine der größten Städte auf der Materiellen Ebene, zu verteidigen, wies er ihre Bitte ab - so wie sie einst Asmodeus abgewiesen hatten. Er hatte genug. Die Welt könne auf Dauer nur bestehen, wenn sie den alten Weg der Götter ablegten und sie klaren Regeln unter seiner Führung folgen würde. Nur durch Verlust würden seine Brüder und Schwestern dies erkennen. Entweder schließen sie sich ihm an, beugten sich seiner Führung, oder der Kampf seiner Geschwister, ohne Asmodeus Hilfe, gegen die Armeen der Fernen Götter, würde deren Tod sein. Ein Opfer, das er als notwendig betrachtete – der alte Weg würde mit ihnen sterben und Platz für seine neue Weltordnung und seinen Weg zum Sieg machen. Man sagt, in Asmodeus' Augen sei es kein direkter Verrat gewesen, denn er kämpfte nicht gegen seine Brüder und Schwestern, er entsagte ihnen lediglich seine Hilfe, so wie es ihm gleichtaten. Er und seine Anhänger, die sich von diesem Tag an "Teufel" nannten, würden dort verbleiben, wo sie sind, und die Dämonen des Abyss weiterhin aufhalten, egal was inzwischen auf der Materiellen Ebene und den anderen Existenzebenen passierte, solange bis sie sich Asmodeus aus Verzweiflung anschließen.

Ohne die Hilfe von Asmodeus und seinen Teufeln, konnte die Stadt Hygoria nicht gehalten werden und die Götter fuhren ihre bis dato größte und verheerendste Niederlage ein. Hygoria und all dessen Verteidiger und Bewohner wurden vernichtet. Man sagt, an jenem Tag seien ein Zehntel aller verbliebenden Kinder der Schöpfer auf der Welt getötet worden.

Für Rhotek, Gott der Güte und der Heilung, war Asmodeus Verrat und die Vernichtung von Hygoria, eine Stadt die in seinem Namen erbaut worden war, zu viel. Er konnte das gewaltige Leiden, all den Schmerz und die Pein seiner Kinder nicht mehr ertragen. Er sah keinen anderen Ausweg mehr, als die Fernen Götter die Welt erobern zu lassen. Er hatte die Hoffnung, dass sie ihre Kinder verschonen würden, und sie danach, unter ihrer Herrschaft, die Welt wieder errichten könnten. Von Verzweiflung und Zorn getrieben, schloss er sich den Dienern der Fernen Göttern bei der Eroberung der Welt an. Der dritte Verrat innerhalb der Gemeinschaft der Götter, der vielleicht das Zünglein in der Wage war, brachte auch Tiamat dazu die Seiten zu Wechseln. Als Göttin des Wohlstandes und des Teilens, fürchtete sie plötzlich nun um ihren Einfluss und Macht als Göttin, falls die Fernen Götter tatsächlich siegten und sie sich auf der Verliererseite wiederfand. Deshalb schloss sie sich nun jenen an, die in ihren Augen eine größere Chance auf den Sieg hatten.

Lolth, Gruumat, Verxes, Kalvera, Sephia und Drissenya folgten bald darauf, sodass die sich die Zahl der Götter im Kampf gegen die Diener der Fernen Götter beinahe halbiert hatte. Von nun an sollten diese Götter als die „Treulosen“ oder die „Verrätergötter“ bekannt sein. Neben den Göttern selbst wechselten auch deren treuste Anhänger die Seiten. Besonders der Seitenwechsel der Drow, Anhänger von Lolth, und der chromatischen Drachen, Anhänger von Tiamat, waren ein herber Verlust für die Kräfte des Obersten Götter.

Von zehn ihrer Brüder und Schwestern betrogen, von denen neun ihnen nun am Schlachtfeld gegenüberstanden und einer, der aus selbstsüchtigen Gründen die Unterstützung verweigerte, waren die verbliebenen „Hauptgötter“ sehr verzweifelt. Azaloth selbst war stärker als jemals zu vor, denn die Kraft des Auges von Zogroth, sowie das Artefakt selbst, waren immer noch mit ihm. Die Götter erkannten bald, dass sie seinem Wahnsinn und Hunger vorerst am besten ausweichen sollten, solange sie sich ihm nicht vereint gegenüberstellen konnten und es andere Feinde zu bekämpfen gab.

Nun mussten es auch der Rest der Hauptgötter einsehen: Allein durch ihre Kraft und ihre himmlischen Armeen konnten sie diesen Krieg nicht für sich entscheiden. Asmodeus hatte recht behalten. Die Götter mussten ihren Kindern vertrauen und sich mehr auf ihre Stärke verlassen, die bisher in kaum trainierten, ungeordneten Milizen ihre Heimat verteidigten. Um ihre Welt und ihre Kinder zu retten, organisierten sie ihre Anhänger in Armeen unter ihrer Führung, unterwiesen sie in Kriegsführung und zeigten ihnen Wege, wie sie auf das Gewebe der Magie, eine unsichtbare kosmische Energie, die durch alles verläuft, und mit ihr auf die Kraft der Schöpfung zugreifen konnten. Mit ihr konnten sie erschaffen, verändern oder zerstören, alles aus ihrer eigenen Kraft, ohne göttliche Hilfe. Dies waren die Anfänge der Arkanen Magie. Asmodeus entging das nicht und als er zur seinen Geschwistern zurückkehrte, in der Hoffnung nun gemeinsam gegen die Invasoren vorgehen zu können, wurde er von seinen Geschwistern ausgestoßen. Sie wollten nichts mit ihm zu tun haben, da seine unterlassene Hilfe den Fall ihrer Geschwister zur Folge hatte. Erzürnt kehrte er nach Baator zurück und setzte seinen Krieg gegen die Dämonen fort.

Die neue Gabe der Magie stellte sich als mächtige Waffe im Kampf gegen die Armeen der Fernen Götter und den Verräterlegionen heraus und brachte eine Wende im Krieg. Mit der neu erlangten Kraft konnten die Begabtesten und Intelligentesten unter den Kindern Feuer auf ihre Feinde regnen lassen, sie mit Illusionen täuschen oder sich schnell von einem Ort zu einem anderen teleportieren. Die ersten großen Siege konnten eingefahren werden und nach und nach wurde viel von dem verloren geglaubten Land zurückerobert. Malgor, der Eisenkönig und Gott der Weisheit zeigte ein besonders Handwerk für den Krieg und dessen Pläne. Im Alleingang erschlug er K’voloth, einen hochrangigen Diener der Fernen Götter, bei der großen Schlacht bei den Ruinen von Moirenvir. Durch sein fehlerloses Verständnis für den Krieg konnte die Schlacht für die Obersten entschieden werden. Von diesem Tag an sollte er neben dem Gott der Weisheit, ebenfalls als Gott der Kriegsführung und der Strategie bekannt sein.

Manche der Kinder zeigten besonderen Heldenmut und Können im Kampf gegen die Aberrationen des Fernen Reiches und den Soldaten der Treulosen. Sie taten sich durch ihre Treue und Talent hervor und wurden die ersten Champions der Obersten Götter und bildeten die Speerspitze im Feldzug, um die Invasoren in ihr finsteres Reich zurückzudrängen.

Nachdem die Kinder der Obersten die Diener der Fernen Götter immer weiter mit ihrer neuen Magie zurückgedrängt hatten und noch weitere von ihnen gefallen waren, vereinten sich die Armeen der Fernen Götter zu einer gewaltigen Streitmacht, die in einem einzigen heftigen Schlag ihren Feind zertrümmern und verkrüppeln sollte, um dann in Ruhe die Übergebliebenen auslöschen zu können.

Auch die Armeen der Hauptgötter sammelten sich und so kam es zu einer gewaltigen Entscheidungsschlacht an den Hängen des heute genannten Schwarzdorn-Berges, direkt unter dem Riss ins Ferne Reich. Durch ein geschicktes Manöver, ausgedacht von Malgor, dem Eisenkönig, gelang es der Sternenmaid, Merene, und dem Sturmvater Vorthur, die Vorhut der Fernen Götter und der Treulosen, durch einen vorgetäuschten Rückzug in eine Falle zu locken und zu vernichten. Gemeinsam stellten sich Merene und Vorthur dem Anführer der Vorhut, Goloxith, und konnten ihn gemeinsam erschlagen. Das Kräfteverhältnis hatte sich nun zu Gunsten der Hauptgötter gewandt und mit gestärktem Mut ging man in die letzte Schlacht, die das Schicksal der Schöpfung entscheiden sollte.

Ein gewaltiger Kampf entbrannte, doch mit der Kraft der Arkanen Magie waren sie den Armeen der Fernen Götter überlegen. In einem brutalen Kampf konnten schließlich Bahamut, der Platin-Drache, Eonos, der Lichtbringer, Lerodin, der Steinhammer, Kommodes, der Schwurwahrer, und Anatem, der Letzte Fürst, den Obersten der Diener der Fernen Götter, Yogg-Sokoth persönlich, erschlagen. Als sie sahen wie ihr Heerführer starb, flohen die verbliebenen Aberrationen. Viele zogen sich durch das Portal ins Ferne Reich zurück und der Rest wurde gejagt und viele erschlagen. Nachdem auch die zahlenmäßig nun unterlegenen Verrätergötter und ihre Anhänger überwältigt werden konnten, schien der Sieg erreicht worden zu sein. Jedoch fehlte Azaloth, der der für all das Leid verantwortlich war. Er war so sehr damit beschäftigt einen alleinigen Vernichtungsfeldzug zu führen und durch Volothar zu ziehen und dabei seinen unendlichen Hunger zu stillen und alles zu verschlingen, das ihm in die Quere kam, dass er die Geschehnisse der anderen Götter ignorierte, oder möglicherweise in seinem Wahn gar nicht mehr wahrnahm.

Nachdem sie nun die anderen Treulosen besiegt und ihre Armeen endgültig zerschlagen hatten, stellten sich die Hauptgötter endlich dem Abgrundwandler entgegen. Die Hauptgötter forderten Azaloth auf, er solle sich endlich der Rechenschaft für seine Taten unterziehen. Azaloth hatte keine Absichten sich zu ergeben und sein Mahl zu beenden. Er war mächtiger als je zuvor, gestärkt durch das Auge von Zogroth und seinem Vernichtungsfeldzug. Was darauf folgte war ein gewaltiger Kampf zwischen allen zwölf Hauptgöttern und Azaloth, der durch die Macht des Auges immer noch furchtbar mächtig war. Seine Dunkelheit drohte alles zu verschlingen, doch Eonos schaffte es, sie mit seinem Licht so gut es ging abzuhalten. Als sie schließlich ihre Kräfte bündelten, konnte der Lichtbringer einen vernichtenden Schlag landen, der Vinera, der Zauberruferin, genug Zeit verschaffte, um mithilfe eines mächtigen Artefakts, der Schriftrolle der Versiegelung, ein Bann-Ritual durchzuführen und ihn von der Materiellen Ebene zu verbannen.

Azaloth wurde für seine Gräueltaten am Grunde des Abyss eingekerkert und durch göttliche Bann-Magie versiegelt. Nie wieder sollte er dort ausbrechen können, ewig dazu verdammt so nahe und doch so fern von dem zu sein, was er sich in seiner vorherigen Existenz so sehr wünschte – seine eigene Unendliche Welt und Schöpfung. Die anderen Treulosen wurden nach Carceri, der Gefängnisdimension, gebracht, wo auch sie auf ewig gefangen gehalten werden sollten. Das Auge von Zogroth galt als zu gefährlich um es bestehen zu lassen und deswegen wandten die Obersten Götter all ihre Kraft auf und zerbrachen es in einzelne Splitter. Mit vereinter Kraft reparierten die Götter das Gewebe der Realität, schlossen den Dimensionsriss und beendet somit offiziell den Ersten Großen Krieg. Auch die Kontrolle der Fernen Götter auf Azaloth versiegte mit der Zerstörung des Auges – doch der Schaden war zu verheerend, dass es noch einen nennenswerten Unterschied machte. Kortoss war für immer verloren – ersetzt durch ein neues Älteres Übel, eingekerkert in diesem Universum.

Obwohl sich die Aberrationen der Fernen Götter zu ihren Herren ins Ferne Reich zurückgezogen hatten und der Rest gejagt und zur Strecke gebracht wurde, verschwanden sie nie ganz aus Volothar. Bis heute findet man in den ältesten und finstersten Ecken der Welt noch ihre Nachkommen und die Auswirkungen der fremden Energie, die einst wunderschöne Wesen verdarb und verformte. Auch, so heißt es, gelang es manchen der mächtigeren Diener der Fernen Götter, sich in den Tiefen der Welt zu verstecken, wo sie jetzt schlummern und auf den erneuten Ruf ihrer Meister warten.

Asmodeus blieb vom Zorn der Hauptgötter nicht verschont. Bereits kurz nach dem Sieg, zogen die Armeen der Hauptgötter nach Baator, Asmodeus Heimatebene, die er nun die Neun Höllen getauft hatte, und man brachte ihn vor ein himmlisches Gericht um sich für seine Taten zu verantworten. Asmodeus hatte nicht nur seine Geschwister im Stich gelassen, sondern auch begonnen sterbliche Seelen zu Bösem zu verleiten und ihre Seelen in die Hölle zu verdammen, um sie als Soldaten in seinem ewigen Krieg gegen die Dämonen rekrutieren zu können. Lediglich durch seine Fähigkeiten als unvergleichlicher Redner und Manipulator, gelang es ihm einer Strafe zu entgehen. Er kehrte zurück in die Neun Höllen und führte seinen Kampf gegen die Dämonen fort. Er war nun der Einzige der Verrätergötter, der nicht in Gefangenschaft war. Unter der Abwesenheit ihres jetzt versiegelten Schöpfers taten sich neue Anführer unter den Dämonen im Abyss hervor. Die mächtigsten unter ihnen sind seither als Dämonenfürsten bekannt, die den Kampf ihres versiegelten Meisters fortführen oder eigene niederträchtige Pläne schmieden.

Die Invasion war abgewendet worden und die Verräter und deren Anhänger eingesperrt, doch die Welt lag in Trümmern und der Blutzoll war hoch gewesen. Doch die Heilige Stadt und Wiege der Zivilisation, Agios Sanctor, hatte standgehalten und die Hoffnung lebte weiter. Mit dem Sieg über die Diener der Fernen Götter und der Verbannung der Treulosen endete das Erste Zeitalter und das Zweite Zeitalter, das Zeitalter des Arkanen, brach an. 

 

Das Zweite Zeitalter

Die drohende Apokalypse abgewandt, machten sich die Kinder und die verbliebenen Götter an die Arbeit das Verlorene wiederaufzubauen. Ein neues Zeitalter der Innovation brach an. Besonders im Bereich der Arkanen Magie wurden große Fortschritte gemacht. Neue Städte entstanden auf den Ruinen der alten, größer und prachtvoller als zuvor. Magische Metropolen wurden geschaffen, die Volantiri, die sich mithilfe von Magie in die Lüfte erhoben und zu strahlenden Vorbildern magischer Innovation wurden. Es schien klar, dass der neu erlangte Wohlstand und die Zeit des Überflusses ohne das Geschenk des Arkanen von den Göttern nicht möglich gewesen wären.

Doch manche der Kinder wurden arrogant. Die Macht der Arkanen Magie und dessen Möglichkeiten wären ein Beweis dafür, dass man die Götter nicht bräuchte und man selbst sich ein eigenes Schicksal formen kann. Bald wurde gemeinsamer Wohlstand zu Gier, und Kriege zwischen den neuen Königreichen brachen aus. Jahrtausende gefüllt von immer und immer zerstörerischeren Kriegen gingen vorüber.

Magier verbesserten ihr Handwerk immer weiter und perfektionierten das Geschenk der Schöpfer. Es wurde in alle Richtungen geforscht und ein bahnbrechender wissenschaftlicher, technologischer oder magischer Durchbruch jagte den nächsten. Es war ein Goldenes Zeitalter der Magie und des Fortschrittes. Insbesondere die Volantiri - die fliegenden Städte von Volothar waren die Zentren der Magie in Volothar – in der Luft gehalten durch mächtige magische Artefakte. Doch der arkane Fortschritt hatte auch seine Schattenseiten. Keine Grenze war den ehrgeizigen Erzmagiern zu heilig und auch von Moral und Ethik ließen sich manche Magier und Gelehrte nicht abhalten. Ein regelrechtes magisches Wettrüsten brach zwischen den Nationen und Stadtstaaten der Welt aus und verheerende Kriege, mit Magiern an der Spitze, sowie unmenschliche Experimente und Versuche wurden auf der ganzen Welt zum Alltag. Bald hatten manche mächtige Zauberwirker auch den Punkt erreicht, die Geheimnisse des Lebens selbst aufzudecken. Und so kam es dazu das eine unglaublich mächtige Magierin spezielle arkane Riten und Zauberformeln erschuf, mit denen sie sich schließlich gottgleiche Macht verleihen konnte. Diese ehrgeizige Sterbliche forderte daraufhin den Gott des Todes, Noctor, heraus. Sie gewann den Zweikampf, erschlug ihn, verleibte sich seinen göttlichen Funken ein und nahm dessen Platz als neue Göttin des Todes ein. Ihr Name ist nicht bekannt, oder er ging über die Jahrtausende verloren, jedoch nannte man sie seitdem nur mehr die Schwarze Herrin. Die genauen Details, wie sie zu einem neuen Gott aufsteigen konnte, sind unbekannt. Viele Gelehrten glauben, dass die Aufzeichnungen, wie die Schwarze Herrin dies vollbrachte, sorgfältig von den anderen Göttern vernichtet wurden. Der Aufstieg der Schwarzen Herrin war das erste und bisher letzte Mal, dass es einer Sterblichen gelang zum Gott aufzusteigen. Was jedoch viele Magier nicht davon abhielt, ihrem Beispiel nachzueifern.

Ein mächtiger Erzmagier namens Ulvos Jerelnis las Jahrhunderte nach dem Aufstieg der Schwarzen Herrin in den Chronologien der Geschichte, was der Sterblichen gelungen war und so wurde auch er zu großen Taten angespornt. Er gründete den Kult der Schwarzen Auferstehung. Machthungrig wie er war, wollte er Führung und Macht von den weggesperrten Göttern erlangen und befreite die Treulosen aus ihren Gefängnissen in Carceri. Alle Treulosen wurden befreit, bis auf Azaloth, dessen Gefängnis besonders stark war und Ulvos Macht überstieg. Außerdem wäre er ohnehin schlau genug gewesen, um diese Kreatur nicht ein weiteres Mal auf die Welt loszulassen, nachdem alle Obersten Götter notwendig gewesen waren, um ihn zu besiegen. Nach deren Befreiung, fanden die Verrätergötter die Welt unverdorben und schöner als je zuvor wieder und statt sie zerstören zu wollen, wollten sie nun über sie herrschen. Sie hatten ihren Geschwistern nie verziehen, dass sie die Sterblichen ihren Geschwistern vorgezogen und sich gegen sie gestellt hatten. Sie wandten sich an denjenigen, der sie befreite und machten Jerelnis zu ihrem ersten und obersten Handlanger. Asmodeus, dem die Rückkehr seiner Geschwister nicht entgangen war, lechzte auch nach der Herrschaft über die Materielle Ebene und schmiedete ein wackeliges Bündnis mit den anderen Treulosen.

In der westlichen Region des Superkontinents Volothar, Tenuria, sammelten sie sich und errichteten ein finsteres Reich, von dem aus sie die Welt mit Krieg überziehen wollten. Sie verführten und überzeugten Sterbliche sich ihnen anzuschließen und versprachen ihnen große Macht und viele folgten ihnen. Alte Verbündete kehrten zu ihnen zurück, die Jahrtausende lang auf deren Rückkehr gewartet hatten, wie beispielsweise die Restlichen der Drow. Schließlich starteten sie ihren zweiten Krieg, diesmal um die Herrschaft über die Welt und ihre Schöpfung zu erlangen. Der Kult der Schwarzen Auferstehung schreckte nicht davor zurück, zu wahrlich schrecklichen Mitteln zu greifen, um den Krieg zu gewinnen, und öffnete zahlreiche Portale zum Abyss, überall über Volothar verteilt. Unzählige Dämonen strömten in diese Welt, die mit Armeen der Treulosen ein vorläufiges Bündnis schlossen und ihnen im Kampf als zerstörerische Vorhut dienten.

Ein gewaltiger Krieg entbrannte 57 VS, der beinahe 60 Jahre andauern und die Welt in Brand stecken sollte. Das Wettrüsten der Magier entlud sich in fürchterlicher magischer Zerstörungskraft auf allen Schlachtfeldern der Welt. In den ersten Phasen wurden die Mächte des Guten zurückgedrängt. Eine beliebte Taktik der Verräter-Armeen war es, die Dämonenhorden vorauszuschicken, die wie eine Feuerwalze über die Länder hinwegfegten und alles niederrissen das sie fanden. Die Dämonenhorden sollten die Armeen der Obersten schwächen, bevor sie selbst gegen den bereits angeschlagenen Feind in die Schlacht zogen.

Im Kampf gegen die Dämonen tat sich ein neu gegründeter Krieger-Orden hervor. Der Orden der Schwarzen Klinge erwies sich als besonders effektiv im Kampf gegen die Kreaturen des Abyss und bald bildete er die Speerspitze im Kampf gegen sie. Unter dem gemeinen Volk wurden sie schließlich als die "Dunklen Pilger" bekannt, da sie von Schlachtfeld zu Schlachtfeld reisten und ihr Glaube an die Obersten sie antrieb. Nach harten Kämpfen und gerissenen Strategien konnten die Hauptgötter 11 VS den Verlauf des Krieges wenden und schließlich, nach langen und verlustreichen Schlachten, die Invasoren langsam von den Kontinenten zurücktreiben und die Portale zum Abyss endgültig schließen oder unter Kontrolle bringen.

Die Armeen sammelten sich ein letztes Mal und starteten 9 VS nun selbst eine Invasion gegen das verdorbene Tenuria, das Herz der Militärpräsenz der Treulosen, um all dem ein Ende zu bereiten. In einer Reihe von Gefechten, Scharmützeln und schließlich gigantischen Entscheidungsschlachten trafen die Armeen aufeinander. Noch nie zuvor wurden solche magischen und göttlichen Energien freigesetzt, da nun, so kurz vor dem Sieg bzw. der Niederlage, die ungezügelte Kraft der beiden Seiten aufeinandertraf. Man sagt, beide Parteien besaßen solch mächtige Magie, dass im Verlauf der letzten Kämpfe Bergketten pulverisiert wurden, ganze Landstriche, so groß wie Königreiche, in Flammen standen, Seen verdampften und Krater so groß wie Städte in die Erde gesprengt wurden. Obwohl sich die Armeen der Treulosen seit Monaten auf dem Rückzug befanden und langsam zurückgedrängt wurden, war das Kräfteverhältnis der beiden Seiten immer noch unerfreulich ausgeglichen.

Neun Jahre nach Beginn des Feldzuges und der Invasion gegen Tenuria, 0 VS, folgte die Schlacht, die als die Letzte Schlacht in die Geschichte einging und das Ende des göttlichen Konfliktes und des Zweiten Großen Krieges markierte. Sie Schlacht fand vor den Toren der finsteren Hauptstadt der Treulosen in Tenuria, Ryxovir. statt, dauerte mehrere Tage und forderte zehntausende Leben auf beiden Seiten, doch schließlich konnten die Obersten Götter den Sieg davontragen, Ryxovir erobern und niederreißen. Der Preis für den Sieg war jedoch hoch. Es heißt nur ein Drittel aller Kinder hatte den Krieg überlebt und fast alle Städte von Volothar waren im Laufe der Invasion zu Asche verbrannt worden.

Nach der Schlacht trafen sich die Hauptgötter, um zu besprechen, wie es nun mit Volothar und den Sterblichen weitergehen sollte. Man war sich einig, dass ein solches Ereignis sich niemals wiederholen durfte. Sie sahen ein Muster zwischen den beiden Großen Kriegen und erkannten, dass die Kerker der Treulosen niemals perfekt sein konnten und solange die Götter auf Erden wandeln würden, die Schöpfung niemals wirklich sicher sein kann. Sie beschlossen einen drastischen Schritt, um die Kinder vor zukünftigen Konflikten zwischen den Göttern zu bewahren.

Vinera, die Zauberruferin, hatte sich bereits für solch einen Fall vorbereitet und hatte ein mächtiges Bannritual, den Ritus der Trennung, geschaffen und hielt es in demselben magischen Artefakt, der Schriftrolle der Versiegelung, fest, mit dem vor Jahrtausenden auch Azaloth versiegelt wurde. Der Zauber würde alle Gottheiten von der Materiellen Ebene verbannen und eine magische Barriere erschaffen, die sie davon abhalten sollte zurückzukehren.

Die Götter verabschiedeten sich von ihren Kindern und waren von Trauer erfüllt, nie mehr unter ihnen auf Erden wandeln zu können. Sie vereinten ihre Kräfte, wirkten den Ritus und wurden außerhalb eines magischen Schildes, der die Materielle Ebene umschließt, der neugeschaffenen Ewigen Barriere, verbannt. Sie zogen die Verrätergötter und die Schlimmsten der von ihnen entfesselten Scheusale mit sich. Die Götter verließen somit die Welt und gingen ins selbst gewählte Exil.

Beim Wirken des Zaubers wurde unglaubliche magische Energie freigesetzt, so stark, dass sie Erdmassen bewegte, Kontinente spaltete und fortrückte. Der damalige Superkontinent Volothar, dessen Name später gleichbedeutend mit der ganzen Erde wurde, wurde in Stücke gespalten. Der Kontinent zerbrach in vier neue Kontinente: Khorvir, Dossyr, Saxor und Tenuria. Dieser kataklystische Moment wird von modernen Gelehrten die „Zertrümmerung“ genannt – eine ungewollte Katastrophe und kosmische Folge davon, dass gottgleiche Wesen von dieser Welt verbannt wurden. Die Zertrümmerung versank ganze Länder im Meer, verrückte Berge und Täler, erzeugte neue Meere und verwüstete Landschaften und Städte. Ein letzter großer Preis, der für den Frieden auf der Materiellen Eben bezahlt werden musste.

Der heutige Kontinent Tenuria war das Epizentrum des Zaubers und wurde besonders von der freigesetzten Magie erschüttert und fortgerückt. Obwohl man bis heute von der Existenz von Tenuria weiß und manche wenige auch behaupten, den Kontinent schon einmal bereist zu haben, gilt er bis heute als verdorbener Ort des Bösen, ob zu Recht oder nicht, und kaum einer wagt es auch nur daran zu denken, die lange und unsichere Schiffsreise nach Westen zu tätigen und ihn zu suchen und nachzusehen, was tatsächlich dort lauert und haust.

Nun keine Gefahr mehr für die Schöpfung, ließ man die Verrätergötter in ihre Heimatebenen zurückkehren - abgeschirmt durch die Ewige Barriere. Azaloth bleibt weiterhin im Abyss versiegelt und so soll es auch für die Ewigkeit bleiben.

Mit der Errichtung der Ewigen Barriere und dem Abschied der Götter endete das Zweite Zeitalter und das Dritte Zeitalter begann. 

 

Das Dritte Zeitalter

Viel Zeit ist seitdem vergangen, und die Welt wurde einmal mehr neu geboren. Die Götter üben immer noch ihren Einfluss und Führung von jenseits der Barriere aus und erweisen ihren gläubigsten Verehrern deren Wissen, Magie und Gunst. Jedoch müssen die Sterblichen nun ihren eigenen Weg finden. Neue Städte, Königreiche und Kulturen bevölkern die Welt, aufgebaut auf der Asche der vorherigen, und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft treibt die Sterblichen von Tag zu Tag an. Nur verschüttete Ruinen und vergessene Artefakte erinnern die Leute heute an eine dunklere Zeit, in der Fehler begangen wurden, die niemals wiederholt werden dürfen.

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